Praxis
Eine gute Leitplanke verhindert einen echten Fehler, eine lange Verbotsliste verhindert vor allem gute Ergebnisse
Drei Arten von Grenzen, die deinen Prompt besser machen – und warum eine Verbotsliste das Gegenteil bewirkt.
Wer einen Prompt für eine Aufgabe mit realen Folgen schreibt, kennt das Gefühl: Da ist eine Sache, die auf keinen Fall schiefgehen darf. Also schreibst du eine Regel nach der anderen. Am Ende steht ein Prompt, der sich liest wie ein Mietvertrag – und die KI liefert trotzdem nicht, was du brauchst.
Das Problem ist nicht die Vorsicht. Das Problem ist die Menge.
Eine gute Leitplanke verhindert einen echten Fehler. Eine lange Verbotsliste verhindert vor allem gute Ergebnisse. Der Unterschied liegt nicht in der Anzahl der Regeln, sondern darin, ob jede einzelne ein konkretes Risiko adressiert.
Drei Arten von Grenzen
Nicht jede Einschränkung gehört an denselben Ort oder hat denselben Zweck. Es lohnt sich, drei Typen zu unterscheiden.
Inhaltliche Grenzen
Sie steuern, welche Informationen die KI verwenden oder verändern darf. Typische Fälle:
- bestimmte Fakten, Zahlen oder Entscheidungen unverändert lassen
- nur vorgegebene Quellen verwenden
- fehlende Informationen markieren statt erfinden
Ein Beispiel aus dem Verwaltungsalltag: Die Vorlage „Aktenvermerk erstellen" aus der Kollektion Öffentlicher Dienst enthält die Grenze, dass fehlende Angaben nicht ergänzt, sondern als „offen" markiert werden. Wer die Vorlage nutzt, bekommt keinen Vermerk mit erfundenen Rechtsgrundlagen, sondern eine Liste der Lücken, die er selbst füllen muss.
Qualitätsgrenzen
Sie legen fest, wie die KI mit Unsicherheit umgeht. Die wirkungsvollste ist der Belegzwang: „Jede Behauptung braucht einen Quellenbeleg. Fehlt der Beleg, markiere die Lücke statt zu raten."
Das verhindert, dass die KI Zahlen, Fakten oder Marktdaten erfindet. Besonders wertvoll bei Prompts, die recherchierte oder entscheidungsrelevante Informationen liefern sollen.
Aktions- und Freigabegrenzen
Sie definieren, welche Handlungen die KI selbst durchführen darf und wann sie stoppen oder nachfragen muss. Klassiker:
- „Bereite die E-Mail vollständig als Entwurf vor. Versende sie nicht."
- „Frage vor jeder Änderung eines Kalendereintrags nach meiner Freigabe."
Diese Grenzen werden umso wichtiger, je mehr die KI nicht nur Text erzeugt, sondern auch Handlungen ausführen kann.
Wo die Grenze im Bauplan steht
Der Promptomizer-Bauplan kennt vier Bausteine: Rolle, Kontext, Aufgabe und Format. Grenzen sind kein fünfter Baustein. Sie werden dort platziert, wo sie fachlich hingehören.
- Inhaltliche Grenzen gehören in den Kontext oder in die Aufgabe. Sagt der Kontext, welche Quellen gelten, und die Aufgabe, was damit passieren soll.
- Qualitätsgrenzen wie der Belegzwang stehen in der Aufgabe, weil sie die Arbeitsweise beschreiben.
- Aktions- und Freigabegrenzen gehören ebenfalls in die Aufgabe – sie legen fest, was die KI tun darf und wo sie aufhört.
- Reine Ausgabebeschränkungen („keine kursiven Überschriften", „keine nummerierten Labels") passen ins Format.
Das Prinzip: Zuerst das gewünschte Ergebnis positiv formulieren, dann nur die Grenzen ergänzen, die einen realen Fehler verhindern. Wer mit einer Verbotsliste beginnt, hat noch nicht verstanden, was er eigentlich will.
Konkrete Verbote statt allgemeiner Warnungen
Allgemeine Anweisungen wie „vermeide einen generischen Look" ersetzen lediglich einen Standard durch einen anderen. Besser wirken konkrete Verbote, die aus dem ersten Ergebnis abgeleitet werden: kein cremefarbener Hintergrund, keine kursiven Akzentwörter in Überschriften, keine nummerierten Abschnittslabels.
Das erfordert eine Ergebniskontrolle und Nachbesserung. Es ist kein einmaliger Schritt, sondern ein iterativer Prozess. Du schreibst den Prompt, prüfst das Ergebnis, identifizierst eine konkrete Abweichung und formulierst sie als neue Grenze.
Was das für die Praxis bedeutet
Die Kollektion Öffentlicher Dienst im Promptomizer arbeitet durchgängig mit diesem Prinzip. Jede Vorlage enthält genau die Grenzen, die einen echten Fehler im Verwaltungsalltag verhindern: nichts erfinden, fehlende Angaben markieren, keine rechtliche Bewertung vornehmen. Keine der Vorlagen ist eine Verbotsliste. Jede ist ein Werkzeug, das weiss, wo seine Verantwortung aufhört.
Genau das macht den Unterschied. Eine gute Leitplanke sagt der KI, wo sie aufpassen muss. Eine Verbotsliste sagt ihr nur, wo sie nicht hinschauen darf. Das eine ist ein Werkzeug. Das andere ist Misstrauen in Textform.